Aktivistinnen wollen die »Pille danach« von Drohnen abwerfen lassen

Der Aktivismus hat offenbar einen neuen Verbündeten gefunden: die Drohnen-Technologie. Alle, die sich in den westlichen Ländern gegen die Straffreiheit der Abtreibung eingesetzt haben, hätten es sich nicht träumen lassen, dass es Aktivisten irgendwann möglich sein würde, Abtreibungsmittel – die so genannte »Pille danach« – in einem überschaubaren Gebiet von Drohnen aus der Luft liefern zu lassen.

Aber genau das bereitet die niederländische AktivistinnengruppeWomen on Wavesderzeit vor.

Wie die Gruppe verkündet, will sie eine »Abtreibungs-Drohne« fliegen lassen, die die »Pille danach« von Deutschland aus ins Nachbarland Polen fliegen soll. Polen ist eines der wenigen europäischen Länder, in denen die Abtreibung nach wie vor verboten ist.

J. D. Heyes

Kopp online

Die Aktion stellt also eine Verletzung der rechtlichen und politischen Souveränität dar. Die WebsiteScience Alertberichtet:

Mit dem Projekt, das gemeinsam mit verschiedenen anderen europäischen Abtreibungsbefürwortern betrieben wird, soll darauf aufmerksam gemacht werden, dass »anders als anderen Frauen in Europa den Frauen in Polen sichere Abtreibungsmethoden verwehrt werden«.

Die Organisatoren planten, die Drohne am Wochenende vom 27./28. Juni starten zu lassen. Ausgangspunkt sollte Frankfurt (Oder) sein, die Drohne sollte einen zuvor nicht bekanntgegebenen Ort in Polen ansteuern, dort landen und ihre Fracht abliefern.

Anderen die eigenen Werte und Ansichten aufzwingen

Die Organisatoren halten den genauen Zielpunkt geheim, vermutlich, um ein Eingreifen polnischeroder deutscher Behörden gegen Flug und Übergabe der Fracht zu verhindern.

Sie zeigten sich überzeugt, nicht gegen Gesetze zu verstoßen: »Da die Abtreibungsdrohne weniger als fünf Kilogramm wiegt, nicht für kommerzielle Zwecke eingesetzt wird, im Blickfeld des Steuernden bleibt und nicht in einem überwachten Luftraum fliegt, ist nach polnischem und deutschem Recht keine Genehmigung erforderlich.«

»Wir demonstrieren für das Recht der Frauen auf sichere Abtreibung«, sagte Rebecca Gomperts, Ärztin und Gründerin der Gruppe, in einem Interviewmit der britischen Tageszeitung The Guardian.

»Die Drohne ist nur eine Methode, die Gesetze in verschiedenen Ländern zu nutzen, um auf die soziale Ungerechtigkeit für Frauen aufmerksam zu machen, die in Ländern leben, in denen die Abtreibung verboten ist.«

Wobei sich »soziale Ungerechtigkeit« unterschiedlich definieren lässt. Polnische Behörden könnten die Drohne – und ihre Fracht – als Verletzung der nationalen Grenzen betrachten. Egal, »the show must go on«, weilWomen on Wavesihre Ansicht für die moralisch überlegene hält, die deshalbanderen aufgezwungen werden muss.

»In Polen wird sogar Frauen, die laut geltendem Recht abtreiben dürften, eine Abtreibung verwehrt, weil katholische Krankenhäuser ihnen nicht helfen, auch dann nicht, wenn ihr Leben in Gefahr ist. Reiche können nach Deutschland oder England fahren, um dort eine Abtreibung vornehmen zu lassen. Die Leidtragenden sind die Frauen, die nicht die Mittel oder den Zugang zu Informationen haben«, sagte Gompert.

Drohungen, die Drohne abzuschießen

Die Ankündigung der Gruppe hat zu erheblichen Kontroversen geführt.The Guardianberichtete, Abtreibungsgegner planten sogar, die Drohne vom Himmel zu schießen.

»Es ist nicht einfach, eine Drohne abzuschießen, und zum Glück sind Gewehre in Europa nicht soleicht zu bekommen«, so Gompert weiter. »Trotzdem ist es problematisch, weil mit diesem aggressiven Vorgehen Menschen Angst gemacht werden soll. Und es ist Unsinn, denn es wird nicht verhindern, dass Frauen eine Abtreibung brauchen.«

Die geplante Fracht der Drohne bestand aus Mifepriston und Misoprostol, Abtreibungspillen, die bis zur neunten Schwangerschaftswoche eingenommen werden können.

Women on Wavesliefert Abtreibungspillen in die ganze Welt, normalerweise per Post an Frauen, die sie online bestellen, wieThe Guardianberichtete. Nach Angaben der Zeitung wird die Zahl illegaler Abtreibungen in Polen auf circa 50 000 geschätzt.

Quellen:

sciencealert.com

theguardian.com
sciencealert.com

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