Ultraschall-Untersuchung in der 13. Schwangerschaftswoche

Zeugnis einer Betroffenen


Ab dem 35. Lebensjahr finanziert die Krankenkasse eine zusätzliche Ultraschall-Untersuchung
während der Schwangerschaft, um die Wahrscheinlichkeit für Trisomie 21 (Down-Syndrom) des Kindes abschätzen
zu können. Der Arzt legt einem diese Untersuchung aber vorallem deshalb nahe, da hierbei alle
Organe des Kindes sehr genau angeschaut werden und man eventuelle Probleme frühzeitig
erkennen und später leichter beheben kann.
Von der Ärztin werde ich darauf vorbereitet, dass dieser Test auf Down-Syndrom i.A. für ältere
Frauen schlechter ausfällt, da das Alter der Mutter in die Risiko-Ermittlung eingerechnet wird
(ich bin bereits 40). Bevor noch irgendeine Untersuchung gemacht wurde, steht für mich die
Wahrscheinlichkeit ein Kind mit Trisomie 21 (Down-Syrom) zu bekommen, auf 1:67 (d.h. eines von 67 Kindern von
Frauen in meinem Alter ist angeblich mit Trisomie 21). Ich freue mich, weil doch immerhin 66 gesund
sind, werde aber belehrt, dass der ”Normalwert“ bei anderen Frauen bei 1:300-500 liegt (der
Großteil der Frauen ist eben jünger, wenn sie ein Kind erwarten).
Die Untersuchung ist eigentlich schön, da man sehr gut sieht, wie das Kind liegt, sich bewegt,
wie das Herz schlägt und vieles mehr. Mit dem Gerät kann man zwei Punkte markieren und
die Distanz zwischen diesen Punkten berechnen. So stellt sich heraus, dass mein Kindlein extrem
gross ist (72 Millimeter) und eine Woche älter geschätzt wird. Dann kommt die wichtigste
Untersuchung: die Messung der Nackenfalte. Kinder in der 12–14 Schwangerschaftswoche haben
im Nacken eine Flüssigkeitsansammlung. Je mehr Flüssigkeit (also je dicker diese Falte),
desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für Down-Syndrom (Trisonomie 21). Bedenkt man, dass das Kind gerade erst 7cm groß ist, kann man sich vorstellen, wie minimal klein so eine Nackenfalte ist. Die geringste Messungenauigkeit wirkt sich also ziemlich stark aus und daher muß möglichst genau gemessen werden. Natürlich wird immer an der dicksten Stelle gemessen, um das größtmögliche
Risiko für Mongolismus berechnen zu können. Leider gelingt es der Ärztin nicht immer den
Normalabstand zu fixieren und so wird die Messsung und somit das Risiko eben größer. Es
werden eine ganze Reihe solcher Messungen durchgeführt (das Kind ändert in der Zwischenzeit
normalerweise ständig die Lage) und aus allen diesen Messungen wird der Mittelwert berechnet.
Den entstehenden Wert trägt der Computer in eine Grafik ein, wo man sieht, dass mein
Kind durchaus im Normalbereich liegt (also nicht in der Zone, wo man Mongolismus erwarten
würde). Trotzdem liegt laut Computer die Wahrscheinlichkeit für ein mongolides Kind noch
immer bei 1:79 (der durch mein Alter verursachte Ausgangswert hat so viel Gewicht, dass er
eben nicht sehr stark verbessert werden konnte).
Daraufhin werde ich gefragt, was ich machen möchte, wenn die Blutuntersuchung die Wahrscheinlichkeit
für Down-Sydrom (Trisonomie 21) des Kindes erhöht. Ich erkläre der Dame, dass ich sicherlich
keine Fruchtwasseruntersuchung mache, da dort die Wahrscheinlichkeit für eine durch die Untersuchung ausgelöste Fehlgeburt bei 1:200 liegt. Es geht also bei etwa 200 Untersuchungen
ein Kind verloren (wobei es sich bei den Berechnugen für Mongolismus nur um eine Wahrscheinlichkeit
handelt – das Kind also selbst beim höchsten Risiko von 1:1 durchaus gesund sein kann). Absurd dabei
finde ich, dass ab einem Risiko von 1:300 für Down-Syndrom die Ärztin dazu verpflichtet ist, mir eine
Fruchtwasseruntersuchung nahezulegen, obwohl das Risiko für eine dadurch ausgelöste Fehlgeburt weit
höher ist (1:200). Ein britischer Wissenschafter hat gezeigt, dass auf 50 mongolide Kinder, die
abgetrieben werden, 160 Kinder kommen, die nach der Fruchtwasseruntersuchung durch eine Fehlgeburt sterben.
Ich erkläre der Ärztin, dass für mich die Gewissheit von Down-Syndrom nichts ändert, da man
Down-Syndrom sowieso nicht heilen kann. Sie erklärt mir, dass ich aber die Schwangerschaft
abbrechen lassen könnte. Daraufhin setze ich ihr auseinander, dass das eine und das andere
Leben ist und für mich diese Variante nicht in Frage kommt – ich das Kind so nehme, wie
ich es zur Welt bringe (natürlich ist mir die Tragweite dieses Satzes voll bewußt und mir wird
schon etwas flau im Bauch bei dem Gedanken, dass das Kind krank sein könnte – jede Mutter
wünscht sich zuerst einmal ein gesundes Kind, auch wenn es anders kommen sollte und sie es
dann natürlich genauso liebt). Ihr verdutzter Blick wird durch den Satz unterstützt:
”Da sind sie aber eine von ganz wenigen Frauen, die mir das zur Antwort geben, die anderen würden
die Schwangerschaft abbrechen lassen.“ Ich erkläre ihr, dass ein Mensch, der das erste Kind
bekommt, sich durch solche Untersuchungen verunsichern lassen würde (bei mir ist es das 4.
Kind) und dass viele junge Menschen dem Druck der Ärzte, der anhand von solchen Ergebnissen
aufgebaut wird, nicht gewachsen sind und deshalb Abtreibungen durchführen lassen. Sie gibt
ehrlich zu, dass eine Frau mit dem Ergebnis 1:2 bei ihr war (43 Jahre) und der Frauenarzt sie
unter Druck gesetzt hat, sie jedoch auch keine Fruchtwasseruntersuchung machen hat lassen
und ein GESUNDES Kind zur Welt gebracht hat. Hingegen hat eine junge Frau (21 Jahre) mit
einer Wahrscheinlichkeit von 1: 500 000 trotzdem ein Kind mit Trisomie 21 zur Welt gebracht (was
absolut niemand erwartet hat – Wahrscheinlichkeiten bleiben eben Wahrscheinlichkeiten). Es
ist gut, dass es die Wissenschaft zur Früerkennung von Missbildungen gibt und doch hat das
letzte Wort der liebe Gott und gegen dieses Wort nutzen mir die schönsten Statistiken nichts.
Wir können Leben nicht wachsend machen, sondern nur verderben und wir können weder Leben
noch Gesundheit erzwingen – bestenfalls vom lieben Gott ERBETTELN!!!!
Sie erklärt mir dann aber doch noch ganz sanft, dass wir das Ergebnis der Blutuntersuchung
abwarten und wenn dann das Ergebnis nicht besser wird, können wir uns nochmals zusammensetzen
und dieses Thema diskutieren. Sie scheint nicht glauben zu wollen, dass man ein
behindertes Kind einer Abtreibung vorziehen würde. Irgendwie ist unsere Gesellschaft schon
verlogen: einerseits wird betont, wie behindertenfreundlich unser System ist und es wird damit
geprahlt, dass die Rechte von Behinderten verteidigt werden und andererseits wird alles unternommen,
damit eventuell behinderte Kinder abgetrieben werden. Nein, noch schlimmer: es wird
ein Freibrief erstellt, der Abtreibungen bei möglicher Behinderung des Kindes auch noch lange
nach Ablauf der staatlich festgelegten Fristenregelung zuläßt (sogar noch zu einem Zeitpunkt,
wo das Kind bereits lebensfähig wäre).
Mir wird die Rute ins Fenster gestellt, dass mein Frauenarzt schriftlich verständigt werden
MUSS, wenn ich mich gegen eine Fruchtwasseruntersuchung wehre. Eigentlich werde ich behandelt,
als wäre es schon fix, dass ich ein behindertes Kind bekomme – dabei sind alle Werte
des Kindes im Normbereich, teilweise sogar überdurchschnittlich gut. Es weist also nichts auf
eine Behinderung hin und das gibt auch die Ärztin zu, ABER ich bin eben bereits 40 Jahre alt!
Für mich war die Untersuchung beruhigend, da man sehen konnte, dass die Herzfrequenz stimmt
und alle Organe gut ausgebildet sind. Auch ein paar schöne ”Fotos“ von unserem Kind habe
ich bereits und man sieht darauf, dass es schon Daumenlutschen kann.
Ich habe der Muttergottes in der Krankenhauskapelle ein Kerzerl angezündet und verlasse mich
darauf, dass alles so kommt, wie es in Gottes Willem ist!

Datei in PDF: Ultraschalluntersuchung


Dieser Bericht ist mir von einer Mutter zur Verfügung gestellt worden und sie schildert ihre
Erfahrungen. Ähnliche Erfahrungen machen sicher viele Mütter, die über 35 Jahre sind.


Begriffserklärung: Trisonomie 21 oder